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Unabhängigkeit durch Hilfe

„Glücksgriff“ Altenhilfe – die Mutmachgeschichte einer Angehörigen

Die Pflegebedürftigkeit der Eltern ist eines der schwierigsten Themen für Familien.  Mit bestem Wissen und Gewissen versuchen erwachsene Kinder, ihre altgewordenen Eltern zu unterstützen – doch es gibt oft Konfliktlinien. Häufig hat man unterschiedliche Ansichten, welche Hilfe in welchem Umfang notwendig ist. Oder der Beruf lässt zu wenig Zeit für die Eltern. Oder es gibt eigene gesundheitliche Einschränkungen, immerhin sind die Kinder ja auch meist im fortgeschrittenen Lebensalter. Und trotz aller Mühe und allen Engagements bleibt dann am Ende das schlechte Gefühl, dass die Eltern doch eigentlich mehr Zuwendung bräuchten.

Frau S. und ihr Mann waren bis Sommer 2020 auch solche „pflegenden Kinder“– beide berufstätig, im Alter von Ende 50 haben sie sich um die Mutter beziehungsweise Schwiegermutter gekümmert. Bis Oktober letzten Jahres hat diese noch alleine in ihrer Wohnung gelebt. Im November gab es mitten im Lockdown dann den Umzug ins Betreute Wohnen Haus Rohrer Höhe. Das war ein großer Glücksgriff, so empfindet Frau S. die Situation aus heutiger Perspektive. Sie und ihr Mann, aber vor allem auch ihre Schwiegermutter haben durch den Umzug einen immensen Zugewinn an Lebensqualität. Ihrer Schwiegermutter zuliebe will Frau S. nicht mit vollem Nachnamen genannt werden. Aber sie will die Geschichte ihrer Familie erzählen, denn es ist eine Mutmachgeschichte.

Die Geschichte der Familie S. ist eine Mutmachgeschichte dafür, dass Pflegeeinrichtungen nicht zwangsläufig für Einschränkungen stehen, sondern – im Gegenteil – auch für die Ermöglichung von Freiheiten. Freiheit in der Mobilität durch die Barrierearmut des Gebäudes. Freiheit, da man Hilfe in dem Maße anfragen kann, in dem sie braucht. Freiheit, da die Angehörigen nicht gleichzeitig diejenigen sind, von denen man zur Bewältigung des Alltags abhängig ist. Zum Hintergrund: Frau S. Schwiegermutter wohnt im Betreuten Wohnen des Hauses Rohrer Höhe und nimmt dort zusätzlich Leistungen des ambulanten Dienstes in Anspruch, beim Duschen etwa und auch für hauswirtschaftliche Unterstützung.

„Seit der ambulante Dienst für die Körperpflege meiner Schwiegermutter zuständig ist, ist diese überhaupt kein Problem mehr“, erzählt Frau S. „Bei uns Kinder gab es immer eine Abwehrhaltung. Gerade wenn es um Hygiene ging, wurde meine Schwiegermutter sehr empfindsam.“

Um das Angebot im Haus Rohrer Höhe auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner*innen abstimmen zu können, ist Einrichtungsleiterin Bettina Fink in stetigem Kontakt mit den Senior*innen.

 

Klare Rollen – weniger Konflikte

Für viele Ältere stellt Unterstützung durch die Familie tatsächlich eine nicht-akzeptable Form der Rollenverkehrung in Sachen Eltern-Kind-Beziehung dar. Deswegen funktioniert professionelle Pflege oft besser, denn da wird dieses Problem nicht berührt. Die Pflegebedürftigen haben stattdessen das Gefühl, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. 

Für die Schwiegermutter von Frau S. hat all dies ein besonderes Gewicht, war sie immer schon ein freier und unabhängiger Mensch. So frei und unabhängig, dass sie mit 74 Jahren und schlechten Deutschkenntnissen als Französin nach Deutschland umgezogen ist. Von der Bretagne ins Schwabenland mit wenig Sprachkenntnissen – funktioniert das? „Wir hatten anfangs auch Sorge“, erzählt Frau S., „doch es funktioniert bestens. Die, die Französisch können, freuen sich über die Gelegenheit, ihr Sprachwissen mal wieder zum Einsatz zu bringen. Und die, die kein Französisch sprechen, die finden andere Wege der Kommunikation. Irgendwie versteht man sich immer. Allerdings hat meine Schwiegermutter im Lockdown abgebaut, so lange sie allein zu Hause gewohnt hat. Klar gab es im Haus Rohrer Höhe ebenfalls Pandemie-Beschränkungen, aber es waren doch Menschen im Haus. Und die Menschen, die haben ihr vorher einfach ganz immens gefehlt. Letztlich freut sie sich auch, wenn der ambulante Dienst kommt und die hauswirtschaftlichen Hilfen. Besuch. Hauptsache sie kriegt Besuch. Das ist das Allerwichtigste für meine Schwiegermutter.“

Wichtig ist auch, dass für das Ehepaar S. das Leben nun leichter ist, gab es früher einfach chronisch Sorgen bei ihnen – Tag für Tag. Tatsächlich ist die heute 89-jährigen Schwiegermutter von Frau S. wiederholt gestürzt, als sie alleine lebte. Die alte Dame musste operiert werden und es gab eine stete Angst, dass das Stürzen wieder passiert. Doch obwohl einerseits ein Umzug in eine Einrichtung der Altenhilfe immer notwendiger wurde, gab es andererseits ein langes Ringen mit Zweifeln und schlechtem Gewissen bei Frau S. und ihrem Mann.

So viel Hilfe wie nötig, so viel Eigenständig­keit wie möglich – im Haus Rohrer Höhe wird dieses Konzept mit dem dort ebenfalls ansässigen ambulanten Dienst und  der Tagespflege Haus Rohrer Höhe umgesetzt.
 

 

„Man muss bereit sein, für Veränderungen, nur dann kann es besser werden“

Fragen und Ängste standen für Frau S. und ihren Mann eine Weile im Raum, ehe der Umzug ins Haus Rohrer Höhe beschlossen wurde. Immerhin wusste keiner der Beteiligten, was auf sie zukommt mit dem Umzug in eine Senioreneinrichtung – und gleichzeitig war man überfordert und brauchte Hilfe, so skizziert Frau S. ihren Entscheidungskampf. Für sich selbst sagt sie: „Nachdem meine Schwiegermutter ins betreute Wohnen gezogen ist, hab‘ ich mit 57 Jahren die Meditation kennengelernt. So, wie es vorher lief, lief es nicht gut. Man muss bereit sein, für Veränderungen, nur dann kann es besser werden. Danach kann man ja immer noch mal neu entscheiden – dann, wenn man weiß, wie es mit der Veränderung geht“.

Aber tatsächlich geht es der Familie S. mit dem Umzug nicht nur gut, sondern in vielerlei Hinsicht weit über das Erwartete hinaus. „Meiner Schwiegermutter erzählt immer ganz stolz davon, wer sich jeweils an einem Tag um sie gekümmert hat. Heute kam ein Mann vom ambulanten Dienst, berichtet sie dann. Oder heute war es wieder eine Frau. Im Haus Rohrer Höhe schaute auch mal eine Reinigungskraft vorbei, eine Frau, die Französisch sprechen konnte. Ganz gezielt besuchte sie meine Schwiegermutter, ausgestattet mit einem Wörterbuch. Sie hatte von einer Kollegin gehört, dass meine Schwiegermutter Französin ist. Sie wollte sie besuchen und mit ihr ein bisschen Französisch reden. Ich war ganz überrascht, dass die Mitarbeitende untereinander die Bewohnerinnen und Bewohner so im Auge haben und auch Privates mitbedenken. Es wird so oft schlecht über Senioreneinrichtungen gesprochen. Ich kann nur das Allerbeste vom Haus Rohrer Höhe erzählen. Ein dickes Lob an alle Mitarbeitenden. Es ist rührend, wie sich alle bemühen. Ich hatte noch nie das Gefühl lästig zu sein. Per Mail, per Telefon, direkt im Gespräch, es stehen eigentlich alle Wege offen, sich abzustimmen und auszutauschen. Es war ein Glücksgriff, das meine Schwiegermutter ins Haus Rohrer Höhe ziehen konnte.“

 

Einrichtungsleiterin Haus Rohrer Höhe

Bettina Fink
Telefon: 0711 216-89534
Telefax: 0711 216-89538
bettina.fink@ stuttgart.de

Leiter Ambulanter Dienst und Tagespflege Haus Rohrer Höhe

Ludwig Franz
Telefon: 0711 216-89587
Telefax: 0711 216-89567
ludwig.franz@stuttgart.de

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